Nebenbruflich Selbstständig – was ist mit der Krankenkasse ?

Diese Frage hat mich in der Tat lange beschäftigt. Ich arbeite in Teilzeit im Angestelltenverhältnis, bin aber nebenberuflich selbstständig. Ich bin Freelancer und arbeite in Projekten wie Webseiten, Fotostrecken, Grafikdesigns, Imagefilmen. Projekte, die sich mehrer Tage, Wochen und Monate hinziehen können. Wie steht es denn mit meiner Krankenkasse ? Zahlt die mein Arbeitgeber – oder muss ich Anteile selbst zahlen ?

Wer zahlt die Krankenkasse

Die Krankenkasse zahlt der, der deine Haupteinnahmequelle ist. Wenn Deine freiberufliche Tätigkeit also nach Einschätzung der Krankenkasse nicht mehr einer nebenberuflichen Tätigkeit entspricht, sondern deine Haupteinnahmequelle wird, musst Du Dich mit dem Gedanken anfreunden, dich selbst privat oder mit einer freiwilligen gesetzlichen Krankenversicherung zu versichern.

Haupt- oder nebenberuflich?

Um sicher zu gehen, keine zusätzlichen Beiträge für deine nebenberufliche, selbstständige Tätigkeit an die Krankenkasse zahlen zu müssen, musst Du sicher sein, auch „nur“ einer nebenberuflichen Tätigkeit nachzugehen. Wenn die Krankenkasse der Meinung ist, das deine „Nebentätigkeit“ dein Hauptberuf ist, bist Du dazu verpflichtet, dich freiwillig in der gesetzlichen Krankenkasse zu versichern oder dich privat zu versichern.

Als nebenberuflich gilt deine Selbstständigkeit, wenn…

  • Das Einkommen aus deiner Selbstständigkeit nur eine untergeordnete wirtschaftliche Rolle spielt
  • Du keinen Gründerzuschuss von der Agentur für Arbeit beziehst
  • Du als Arbeitnehmer angestellt bist und nebenberuflich selbstständig tätig bist. Die Höhe des Angestelltengehaltes spielt dabei keine Rolle
  • Du weniger als 20 Stunden pro Woche selbstständig arbeitest und dabei nicht mehr als 75 Prozent deines gesamten, monatlichen Einkommens verdienst.

  • Du keine Angestellten oder maximal einen Minijobber beschäftigst

Beispielrechnung bei einem monatlichen Einkommen von 1000 Euro Netto in der Festanstellung:
1000 / 25 (monatlicher Anteil der Bezugsgröße) * 100 = Anteil, der Du freiberuflich erwirtschaften darfst – Einkommen aus dem
Angestelltenverhältnis also:
(1000 / 25) * 100 = 4000 – 1000
Also darfst Du bei 1000 Euro Einkommen aus dem Angestelltenverhältnis 3000 Euro aus nebenberuflicher Tätigkeit dazu verdinen.

Es ist immer ein individueller Einzelfall

Kein Fall lässt sich da verallgemeinern und jeder Umstand ist individuell zu betrachten. Aus Sicht der Sozialversicherungsträger ist eine Erwerbstätigkeit immer dann hauptberuflich,

wenn sie von der wirtschaftlichen Bedeutung sowie vom zeitlichen Aufwand die übrigen Erwerbstätigkeiten zusammengenommen deutlich übersteigt.

Es kann sein, dass die Krankenkasse überprüft, welche deiner Tätigkeiten die andere im Bezug auf das Einkommens oder der Arbeitszeit deutlich überschreitet.

Mit der Krankenkasse reden

Ich habe bereits bei der Gründung meiner freiberuflichen Tätigkeit mir meinem Steuerberater zusammen besprochen, wie meine Ziele, Vorhaben und Entwicklungen geplant sind. Danach habe ich die Krankenkasse darüber informiert.

Neben dem Einkommen spielt die monatliche Bezugsgröße eine wichtige Rolle bei der Einstufung durch die Krankenkasse. Dabei handelt es sich um einen Maßstab für die allgemeine Einkommensentwicklung. So kann Deine Selbstständigkeit in einigen Fällen auch noch als nebenberuflich eingestuft werden, wenn Du 30 Stunden wöchentlich arbeitest, Dein Einkommen jedoch unter der Hälfte der monatlichen Bezugsgröße liegt.

Schätzt die Krankenkasse Deine Tätigkeit als nebenberuflich selbstständig ein, bleibst Du weiterhin über Deinen Arbeitgeber versichert und sparst Dir zusätzliche Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung. Wird aber Deine Tätigkeit als hauptberuflich gewertet, endet Deine gesetzliche Pflichtversicherung. Nun musst du dich der freiwillig gesetzlichen Krankenversicherung anschließen oder dich privat versichern.

Bist Du trotzdem noch im Angestelltenverhältnis, gilt dieses Arbeitsverhältnis jetzt als nebenberuflich und die Kranken- und Pflegeversicherung über deinen Arbeitgeber entfällt.

Der automatische Wechsel

  • Entscheidest Du Dich für eine private Krankenversicherung, musst Du die gesetzliche Versicherung innerhalb binnen zwei Wochen kündigen

  • Bist Du aktuell gesetzlich pflichtversichert, möchtest Dich aber freiwillig versichern, wechselst Du beim Wegfall der Versicherungspflicht automatisch in die freiwillige gesetzliche Versicherung

Du bist nicht pflichtversichert und möchtest Dich freiwillig versichern

Hier gelten festgelegte Vorversicherungszeiten. Diese besagen, dass Du entweder in den letzten fünf Jahren zwei Jahre lang oder unmittelbar vor Ende der Versicherungspflicht ein Jahr lang in einer gesetzlichen Versicherung gewesen sein musst. Damit kannst Du innerhalb von drei Monaten nach Deiner Gründung oder der Anmeldung deiner freiberuflichen Tätigkeit den Eintritt in die freiwillige Versicherung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) schriftlich beantragen.

Was kostet mich die freiwillige Kranken- und Pflegeversicherung

Das hängt von Deinem Gesamteinkommen ab. Dabei wird Dein Einkommen aus dem Angestelltenverhältnis mit dem Gewinn deiner selbstständigen Tätigkeit und eventuellen anderen Einnahmen addiert. Der Arbeitgeber trägt seinen Anteil für den Beitrag, der durch das Einkommen aus deinem Arbeitsverhältnis entsteht. Die restlichen Kosten übernimmst Du.

Die Höhe des Krankenversicherungsbeitrags berechnet sich vom Gesamteinkommen mit 14,6 Prozent (mit Krankengeldanspruch) oder 14 Prozent (ohne Krankengeldanspruch). Hinzu kommen der Beitrag zur Pflegeversicherung sowie der individuelle Zusatzbeitrag der Krankenkassen. Die Beitragsbemessungsgrenze stellt die Obergrenze für das Einkommen dar, das der Berechnung dient. Jeder Cent, der darüber liegt, ist beitragsfrei. Als Mindest-Berechnungsgrundlage dient das fiktive Mindesteinkommen, wodurch die Beiträge nach unten hin begrenzt werden. Die Mindestgrenze im Jahr 2020 liegt nach Informationen meiner Krankenkasse bei 1.061,67 Euro, die Höchstgrenze bei 4.687,50 Euro pro Monat.

Ich habe hier die Google Suche nach den Beitragsbemessungsgrenzen, die stets aktuell abgebildet werden für dich verlinkt:

Mindestgrenzen bei der GKV

Informiere deine Krankenkasse

Informiere deine Krankenkasse bei Veränderungen deiner Einkommensverhältnisse. Sie entscheidet dann über die weitere Versicherungspflicht und die Höhe. Bist Du mit der Entscheidung nicht einverstanden, kannst Du Klage einreichen. Gibst du deine Einkünfte oder Veränderungen der Verhältnisse nicht erst an, machst Du Dich strafbar und musst gegebenenfalls mit hohen Nachzahlungen rechnen.

Die Sozialversicherung

Leistungen wie Rente und Arbeitslosengeld werden durch die gesetzlichen Sozialversicherungen finanziert. Bist Du nebenberuflich selbstständig, musst Du in der Regel keine zusätzlichen Sozialversicherungsbeiträge zahlen, da diese bereits über den Hauptberuf abgedeckt werden.

Teile aber Veräderungen in deinen Einkommensverhältnissen stets deiner Krankenkasse mit. Wechselt dieser von der nebenberuflichen zur hauptberuflichen Selbstständigkeit, wirkt sich das auf die Krankenversicherungspflicht und die Sozialversicherungspflicht aus. Die Sozialversicherungspflicht entfällt für Selbstständige, die nicht in einem Hauptberuf angestellt sind – Du musst dann keine Beiträge in die Arbeitslosen- und Rentenversicherung einzahlen.

Ich persönlich finde aber eine private Altersvorsorge und eine Arbeitslosenversicherung für sinnvoll. Das muss aber jeder für sich selbst entscheiden.

Krankenversicherung bei Arbeitslosigkeit

Beim Bezug von Arbeitslosengeld I oder II kannst Du bis zu einer bestimmten Einkommensgrenze nebenberuflich selbstständig arbeiten. In dem Fall bist Du über die Arbeitsagentur versichert. Ob Du als nebenberuflich eingestuft wirst, hängt von Deiner Arbeitszeit ab. Diese darf die Höchstgrenze von 15 Stunden pro Woche nicht überschreiten. Andernfalls musst Du Dich freiwillig in der GKV oder privat versichern. Achtung: auch das Einkommen spielt hier ebenfalls eine Rolle.

ALG I: Hier gibt es einen monatlichen Freibetrag von 165 Euro, der nicht auf Dein Arbeitslosengeld angerechnet wird. Google Link zur Suche von Rechenbeispielen und Vorgaben.

ALG II: Hier werden Freibeträge gestaffelt und hängen von der Größe der Bedarfsgemeinschaft ab. Google Link zur Suche von Rechenbeispielen und Vorgaben.